Die Zahnmedizinerin Kiana Meier-Friedhoff ist Spezialistin für Kiefergelenkerkrankungen und beantwortet für uns die wichtigsten Fragen zu Zahnreinigung und Mundhygiene. (Bildquelle: zahnarztpraxis-drvoss.de)
Putzt elektrisch wirklich besser als manuell? Wie können Sie Mundgeruch und hartnäckigen Zahnbelag verhindern? Sollten Sie eine rotierende oder eine vibrierende Zahnbürste verwenden? Und müssen Sie wirklich nach jeder Mahlzeit ans Zähneputzen denken? Im Schwerpunkt „Zahnreinigung” auf Testberichte.de widmen wir uns diesen und weiteren Fragen. Antworten hat uns die Zahnmedizinerin Frau Kiana Meier-Friedhoff geliefert.
Welche weiteren Mundhygiene-Maßnahmen empfehlen Sie Ihren Patienten und Patientinnen neben dem täglichen Zähneputzen?
Mehrere sind geeignet. Außer Mundduschen, Ölziehen und Zungenschabern gehören dazu die kleinen Zahnzwischenraum- oder Interdentalbürsten. Bei Letzteren rate ich meinen Patienten dringend, sich von der Prophylaxe die richtige Größe zeigen zu lassen.Empfehlen Sie zusätzlich zur normalen Zahnbürstenreinigung auch die Verwendung von Zahnseide? Wenn ja, welche?
Bei Zahnseide empfehle ich vor allem die ungewachste Variante, da Speisereste besser daran haften bleiben. Für größere Zahnzwischenräume sind Interdentalbürsten aber die bessere Alternative.Manche Menschen tun sich schwer mit Zahnseide. Können Mundduschen hier eine Alternative sein?
Unbedingt. Mundduschen sind generell eine gute Alternative für Menschen, die mit anderen Mundhygiene-Maßnahmen wie Zahnseide oder Interdentalbürsten nicht gut zurechtkommen.Können Mundduschen die normale Reinigung mit der Zahnbürste ersetzen?
Auf gar keinen Fall! Um regelmäßiges und gründliches Säubern der Zähne mit einer Zahnbürste kommt man auch mit der besten Munddusche nicht herum.Lässt sich mit einer Munddusche hartnäckiger Zahnbelag selbst entfernen?
Nein. Nur die mechanische Reinigung der Zähne mit der Zahnbürste bringt den gewünschten Effekt.Was reinigt Zahnzwischenräume und Zahnfleischsaum besser: Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen?
Zahnzwischenraumbürstchen sind hier klar im Vorteil. Das gilt aber natürlich nur, wenn der Zahnzwischenraum es zulässt.Ist es ratsam, in einen Zungenreiniger zu investieren, und was bringt ein solches Gerät überhaupt?
Es ist durchaus sinnvoll, sich einen speziellen Zungenreiniger zu kaufen. Mit einem Zungenschaber lassen sich Beläge, die sich tagsüber und über Nacht angesammelt haben, gut von der Zungenoberfläche herunterschaben. Auch gegen unangenehmen Mundgeruch hilft eine solche Zungenreinigung, da schlechter Geruch sich in vielen Fällen auf Beläge im Mundraum zurückführen lässt. Am besten sind Zungenschaber, die man auch auskochen oder im Geschirrspüler reinigen kann – also Modelle aus Edelstahl. Vielfach hilft aber auch ein einfacher Löffel: Wenn Sie mit der Kante über die Zungenoberfläche streichen, können Sie auch mit dieser Methode einen Großteil der Beläge entfernen.Sind elektrische Zahnbürsten besser als herkömmliche Handzahnbürsten?
Ich persönlich empfehle meinen Patienten den Griff zur elektrischen Zahnbürste. Ein klarer Pluspunkt gegenüber normalen Handzahnbürsten besteht in jedem Fall darin, dass sie schwer zugängliche Stellen besser erreichen. Handzahnbürsten dagegen helfen beim Erlernen einer perfekten Putztechnik – beide haben also ihre Vorzüge.Welcher Bürstentyp ist aus Ihrer Sicht besser: rotierender Bürstenkopf oder vibrierende Schallzahnbürste?
Ich empfehle meinen Patientinnen und Patienten Rotationszahnbürsten. Mit den kreisenden Bürstenkopfbewegungen haben wir in der Praxis die besseren Erfahrungen gemacht.Die besten Rotationszahnbürsten anzeigen
Keiner der Typen zeigt laut unseren Tests einen eindeutigen Vorteil in der Reinigung. Also zählen auch persönliche Vorlieben. – Stiftung Warentest in „test“-Heft 12/2021
Braucht eine elektrische Zahnbürste wirklich mehrere Reinigungsmodi, zum Beispiel Aufhellen, Zahnfleischmassage oder Tiefenreinigung?
Wer sich vor dem Kauf seiner elektrischen Zahnbürste absichern möchte, sollte durchaus auf eine Mindestausstattung achten. Funktionen wie Zahnfleischmassage, Andruckkontrolle und Geschwindigkeitsregulierung sind meines Erachtens elementar.Warum sollte eine Andruckkontrolle zur Ausstattung einer elektrischen Zahnbürste gehören? Welche Folgen kann es haben, wenn man beim Zähneputzen zu viel Druck ausübt?
In zwei Fällen rate ich meinen Patienten zu kontrolliertem Andruck auf Zähne und Zahnfleisch: Zum einen bei „weichen“ Zähnen, die bei zu viel Druck an Substanz verlieren könnten; und zum anderen bei Zahnhalsdefekten, wo ein Zuviel an Putzdruck die Empfindlichkeit der Zähne fördern kann.Wie viel Zeit sollte man sich fürs Zähneputzen generell nehmen? Reichen zwei Minuten oder ist länger immer auch besser?
Wer sich jeder Fläche des Zahns mit möglichst viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet, tut immer etwas Gutes für seine Zahngesundheit. Eine feste Faustformel über die empfohlene Zwei-Minuten-Putzzeit hinaus gibt es aber nicht. Manche Patienten benötigen mehr, manche weniger Zeit.Wann sollte man seine alte Zahnbürste gegen eine neue austauschen?
Spätestens nach drei Monaten wird eine neue Zahnbürste fällig. Wirken die Borsten aber schon vor diesem Zeitraum ausgefranst und abgenutzt, dürfen Sie das als einen Hinweis auf einen früheren Wechsel zur Folgebürste werten.Ist es wirklich notwendig, nach jeder Mahlzeit die Zähne zu putzen?
Besser wäre es in jedem Fall. Wer viel säurehaltige Lebensmitteln und Getränke zu sich nimmt, sollte eine Stunde mit dem Putzen warten, da es in etwa so lange dauert, bis sich die Schutzschicht – der sogenannte Biofilm – über den Zahn aufbaut. Um diesen Prozess zu unterstützen, kann man den Mund auch mit etwas stillem Wasser ausspülen.Es gibt Zahnbürsten mit harten, weichen und mittleren Borsten. Welche eignet sich für wen?
Das hängt von mehreren Faktoren ab. Eine etwas weichere Zahnbürste wirkt beispielsweise nach einer Parodontose-Behandlung schonender auf das Zahnfleisch. Zu weichen Zahnbürsten sollten außerdem Menschen greifen, die zu etwas mehr Andruck beim Putzen neigen oder deren Zahnsubstanz generell etwas weicher beschaffen ist. Mittelfeste Modelle eignen sich für fast jedes Gebiss, von harten Zahnbürsten und Aufsteckbürsten mit harten Borsten rate ich grundsätzlich ab.Empfehlen Sie Kindern, von klein auf elektrische Zahnbürsten zu verwenden?
Ich rate immer zu einem Wechsel zwischen der normalen Handzahnbürste und einer elektrischen Bürste, da Kinder die richtige Putztechnik erst erlernen müssen. Mit einer elektrischen Zahnbürste allein gelingt das nicht.Richtig Zähne putzen – welche Tipps zur Zahnputztechnik haben Sie für unsere Leserschaft?
Gehen Sie am besten systematisch vor, das heißt: Reinigen Sie Ihre Zähne immer nach demselben Muster. Nur so können Sie vermeiden, dass Sie bestimmte Bereiche vergessen. Vergessen Sie keinesfalls die Übergänge von den Zähnen zum Zahnfleisch und die Bereiche hinter den letzten Zähnen.Kommen viele Menschen mit Zahnproblemen zu Ihnen, die sich durch richtiges Putzen hätten vermeiden lassen?
Eindeutig ja.Zertifizierte Naturkosmetik-Zahncremes ohne bedenkliche Inhaltsstoffe wie Mikroplastik oder Parabene werden immer beliebter. Doch vielen dieser Pasten fehlt das schützende Fluorid, wie es in Tests von Öko-Test oder Stiftung Warentest gefordert wird. Was würden Sie Ihren Patienten empfehlen?
Fluorid ist ein heikles Thema. Hier kann es nur um die optimale Dosierung gehen, damit eine Zahncreme ihre Karies-reduzierende Wirkung entfalten, aber keine schädlichen Nebenwirkungen hervorrufen kann. Daher rate ich meinen Patienten, sich ausführlich mit den möglichen Inhaltsstoffen von Zahncremes zu beschäftigen, um selbst entscheiden zu können, was für sie vertretbar ist.Und noch eine Frage zur richtigen Zahnpasta. Es gibt Universal- und Sensitiv-Zahncremes sowie Zahnpasta mit Weiß-Auslobung. Welche sind nützlich, welche Unfug?
Einige Zahncremes enthalten Stoffe, die der Gesundheit schaden können. Ich empfehle meinen Patienten, sich persönlich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, damit sie ein Bewusstsein für die Risiken in diesem Bereich entwickeln und selbst entscheiden können, was für sie das Richtige ist. In meinen Augen ist optimale Zahnreinigung aber ohnehin eher eine Frage der Putztechnik als der Zahnpasta.Wir bedanken uns bei Zahnärztin Frau Kiana Meier-Friedhoff für die Beantwortung unserer Fragen.





















































